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Spätes Tor entscheidet Partie voller Spannung

Durch einen Treffer in der 118. Minute bezwang die DJK Gaustadt den TSV Scheßlitz und darf weiterhin auf einen Verbleib in der Kreisliga hoffen. Die intensive Begegnung erlebte ihren dramatischen Höhepunkt in der Verlängerung, welche für die Zuschauer in Memmelsdorf mehr Tore zu bieten hatte als die vorausgegangenen 90 Minuten.

 

Der wieselflinke Jonas Reinfelder (li.) war ein stetiger Unruheherd in der Scheßlitzer- Hintermannschaft.

von Tobias Röder 

für anpfiff.info

 

Beim Wort "Relegation" schlägt ein Fußballerherz gleich höher. Nirgends sonst sind Erfolg und Fehlschlag, Freude und Trauer so nah beieinander wie in einem K.O.-Spiel. Passend zur gegebenen Dramatik bestritten der TSV Scheßlitz und die DJK Teutonia Gaustadt ihr Duell auf der bestens präparierten Anlage des SV Memmelsdorf untermalt von Donnerschlägen, welche nach den schwülen Verhältnissen des Tages am frühen Abend in der Ferne schallten.

 

Die Teutonen, in der vergangenen Saison 13. der Kreisliga und nur einen Zähler vom rettenden Ufer entfernt, treten im zweiten Jahr in Folge in der Relegation an, nachdem ihnen 2016/17 so der Aufstieg gelungen war. Spielertrainer Daniel Rinbergas konnte selbst nicht mitwirken - das angeschlagene Knie hielt die Belastung des Aufwärmprogramms nicht durch, sodass sich sein Comeback weiter nach hinten verschieben muss. Zudem fehlte mit Mittelfeldstratege Andreas Mikitow ein wichtiger Mann im Zentrum. Trotzdem wollte Rinbergas in einer 4-2-3-1-Formation von Beginn an zeigen, "wer die höherklassige Mannschaft ist" und besonders "in den Zweikämpfen präsent sein". Auf der Gegenseite darf der TSV Scheßlitz nach einer tollen Saison und dem zweiten Rang in der Kreisklasse 2 vom Aufstieg träumen. Mit Ausnahme der langzeitverletzten Stammspieler Tinkl und Röder hatte Coach Marco Hillemeier, den es im kommenden Jahr in die Bezirksliga zum TSV Breitengüßbach zieht, alle Akteure an Bord. Im identischen 4-2-3-1-System wollte der ehemalige Regionalligaspieler im "einfachsten Spiel der Saison" mutig agieren, schließlich habe sein Team "nichts zu verlieren", sondern könnte eine starke Saison nun vergolden. Scheßlitz kontert Gaustadter Führung noch vor dem Seitenwechsel Vom Anpfiff weg war die Bedeutung der Partie zu spüren und es entwickelte sich eine hohe Intensität. Scheßlitz versuchte sein Glück über situatives Pressing, um die Gaustadter Hintermannschaft unter Druck zu setzen.

 

Allerdings fanden die Teutonen zumeist eine Lücke zwischen den anlaufenden TSVlern und konnten so schnell und direkt nach vorne stoßen und frühzeitig erste Angriffe verzeichnen - Torwart Daniel Schmitt war aber mehrfach mit gutem Stellungsspiel auf dem Posten. Die DJK versuchte ihr Glück im vertikalen Spiel. Gerade nach Ballgewinnen und über die Außenbahnen wurde es gefährlich, die schnellen Jonas Reinfelder und Martin Pervorfi taten sich dabei hervor. Scheßlitz auf der Gegenseite nutzte hohe Bälle hinter die defensive Viererkette, um sich dem Tor anzunähern. Dominik Braun, Markus Freitag und Jonas Deckert starteten immer wieder in die Tiefe. Die erste gute Chance hatte Stürmer Deckert, doch seinen Versuch aus zwölf Metern parierte Matthias Kühhorn mit einer starken Fußabwehr (12.). Insgesamt war jedoch die DJK die dominantere Mannschaft. Gerade im Angriff zeigte sich Gaustadt sehr variabel - die Flügelspieler Reinfelder und Pervorfi wechselten immer wieder die Seiten oder zogen ins Zentrum. Eben diese Kombination erzwang in der 33. Minute die Führung der nominellen Heimelf. Sebastian Baum schickte den von der Abseitslinie startenden Reinfelder auf der rechten Seite. Dieser brachte den Ball scharf ins Zentrum, wo Martin Pervorfi den Ball aus kurzer Distanz ins Tor grätschen konnte. Die Führung schien den Teutonen weitere Sicherheit zu geben und kurz darauf verfehlte ein flacher Freistoß von Reinfelder, der Freund und Feind passiert hatte, nur knapp das lange Eck (37.).

 

Etwas überraschend schlug Scheßlitz aber noch vor dem Seitenwechsel zurück. Wieder wurde Jonas Deckert in die Tiefen des Platzes geschickt. Der 18-Jährige brachte eine schöne Flanke in den Sechzehner, wo der eingelaufene Dominik Braun kurios den Ausgleich markieren konnte. Seinen Volleyversuch parierte Hüter Kühhorn nämlich stark, der Abpraller traf aber wieder Braun und trudelte vom Bauchraum des Angreifers über die Linie (44.). So wurden die Seiten beim Stand von 1:1 gewechselt, obwohl die Teutonen mehr Spielanteile besessen hatten. Torloser zweiter Abschnitt erzwingt Verlängerung In Halbzeit Zwei entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe. Beide Teams konnten Vorstöße in den gegnerischen Sechzehner erzwingen und zu Torchancen kommen. Den Auftakt machte Jonas Reinfelder, welcher nach schönem Dribbling an Torwart Schmitt scheiterte (51.). Dann vergab auf der Gegenseite zunächst Dominik Braun, der alleine auf das DJK-Gehäuse zulief (55.), bevor Frank Kriegisch Hüter Matthias Kühhorn aus acht Metern nicht überwinden konnte (61.). Parallel merkte man aber auch beiden Mannschaften die Strapazen der langen Saison an und es schlichen sich mehr Unterbrechungen und Fehler ins Geschehen auf dem Rasen. Dabei wirkte nun Scheßlitz etwas wacher und übernahm leichte Feldvorteile im Zentrum, weshalb DJK-Trainer Daniel Rinbergas Stürmer Johannes Emmerling zurück ins zentrale Mittelfeld beorderte. Bei Scheßlitz wiederum kam mit Tobias Schrüfer ein ballbesitzorientierter Stürmer - der schnelle Jonas Deckert wich auf die Außenbahn aus.

 

Erwähnenswerte Torchancen sollten allerdings erst wieder in den Schlussminuten entstehen. Den Auftakt machte erneut der aktive Jonas Reinfelder. Nach Vorlage von Christof Dilzer verzog er aus 16 Metern nur knapp (86.). In der letzten Minute hätte beinahe Jonas Deckert auf der anderen Seite das Spiel entschieden, doch sein sehenswerter Versuch per Fallrückzieher segelte über das Gehäuse (89.). Und auch die finale Möglichkeit, nun wieder für Gaustadt, wurde vergeben, als Jonas Reinfelder einen Freistoß aus dem Halbfeld zwar gut annehmen, aber aus kürzester Distanz nicht vollstrecken konnte (90.+2). So mussten die Teams nachsitzen und die Verlängerung eine Entscheidung herbeiführen. Gaustadt setzt einen Wirkungstreffer zu viel In der Verlängerung waren zunächst beide Teams darauf bedacht, keinen Fehler zu begehen. Den Türöffner fand dann aber erneut die DJK Gaustadt. Ein Diagonalball von Lukas Alt rutschte einem TSV-Verteidiger durch, sodass Jonas Reinfelder im Sechzehner plötzlich blank stand. Gegen den herausstürmenden Hüter Daniel Schmitt legte Reinfelder clever quer, sodass der eingewechselte Sebastian Wolf nur noch zum umjubelten 2:1 einschieben musste (103.). Scheßlitz schien kurz geschockt und die Teutonen hätten beinahe den Deckel auf die Partie gemacht, doch zunächst setzte Jonas Reinfelder einen Flugkopfballaufsetzer über den Kasten (105.) und anschließend zielte Christof Dilzer nach eigenem Ballbesitz etwas zu hoch (105+1.).

 

Der Pausenpfiff bewahte die Scheßlitzer vor weiterem Schaden. Und im Anschluss gelang es dem TSV tatsächlich erneut, alle Kräfte zu bündeln und den Ausgleich zu erzielen. Coach Marco Hillemeiler schlug einen Eckball relativ scharf an die Fünfmeterkante, wo Jonas Deckert sträflich allein gelassen wurde und einköpfen konnte (111.). Nun deutete wirklich alles auf ein Elfmeterschießen hin, dem vielleicht fairsten Ausgang der ausgeglichenen Partie. Nur Lukas Alt hatte andere Gedanken. Eine zu zentral abgewehrte Flanke des eingewechselten Sven Engelhaupt nahm der 27-Jährige mit der Brust an und versenkte die Kugel aus 20 Metern Entfernung zum entscheidenden 3:2 im langen Eck (118.).

 

 

Zweimal war Scheßlitz von einem Rückstand mit toller Moral zurückgekommen, doch ein drittes Aufbäumen war in den verbliebenen zwei Minuten nicht mehr drin, sodass der TSV auch im nächsten Jahr in der Kreisklasse an den Start geht, während Gaustadt am Samstag ein weiteres Mal um den Klassenerhalt kämpfen darf. Gegner um den letzten freien Platz in der Kreisliga wird entweder die DJK Stappenbach oder der SV Walsdorf sein - die beiden Teams treffen am Donnerstag (30.05., 18:30 Uhr) auf der Anlage der SpVgg Stegaurach aufeinander. Eins kann aber gesagt werden: mit der gezeigten Moral wären sowohl die DJK Teutonia Gaustadt als auch der TSV Scheßlitz eine Bereicherung der Kreisliga Bamberg.

 

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