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Das "große Krabbeln" bleibt aus, Kunstrasen in Gaustadt wird erneuert

Die meisten haben es natürlich gemerkt: Sowohl das "pinke Einhorn" als auch der "seltene Käfer" waren dem 1. April geschuldet.

Käferalarm im altehrwürdigen Gaustadter Sportzentrum.

DJK-Pressewart Michael Pauly zeigt die Stelle, an der bei Vermessungsarbeiten zum Umbau des Kunstrasenspielfeldes im Gaustadter Sportzentrum vier Exemplare des extrem seltenen Cerambyx cerdo gefunden wurden! Sein Gesichtsausdruck spricht Bände...

Die zwei seltenen Käfer im Gaustadter Sportzentrum.

Die zwei einzigen Käfer, die wir auf dem Kunstrasen in Gaustadt finden konnten. Selten sind sie allerdings nicht: In der Tüte waren 15 Stück...

von Markus Schütz für anpfiff.info

Die meisten haben es natürlich gemerkt:

 Sowohl das "pinke Einhorn" als auch der "seltene Käfer" waren dem 1. April geschuldet.

 Danke an alle Vereine und Personen, die sich für unsere Scherze zur Verfügung gestellt haben!

 Was das Sportzentrum in Gaustadt betrifft: Nach langer Suche konnten wir tatsächlich noch zwei Käfer finden, die in dem Moment allerdings nicht jugendfrei agierten... (exklusives Bild im Artikel). Die zwei einzigen Käfer, die wir auf dem Kunstrasen in Gaustadt finden konnten. Selten sind sie allerdings nicht: In der Tüte waren 15 Stück...

  Michael Pauly (DJK), der sich gemeinsam mit Dietfried Fösel (ASV) zur Verfügung stellte, betonte noch einmal "die gute Zusammenarbeit der beiden Vereine." Und er bedankt sich "bei Daniela Reinfelder und dem gesamten Bamberger Stadtrat, dass nun etwas an den Anlagen unternommen wird." Denn noch in diesem Jahr sind die Flutlichter dran, spätestens im Frühjahr 2018 soll mit der Baumaßnahme begonnen werden. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht wirklich ein seltener Käfer gefunden wird...  

  Hier der ursprüngliche Bericht:

 Michael Pauly (Pressewart der DJK Gaustadt) und Dietfried Fösel (Vorsitzender des ASV Gaustadt) sind erschüttert über den Baustopp des Neubaus des Kunstrasenfeldes.

 Und das alles wegen eines fünf Zentimeter großen Käfers... 

   Endlich! So dachten die beiden Gaustadter Vereine ASV und DJK, als beschlossen wurde, dass der längst in die Jahre gekommene "Kunstrasenplatz" erneuert werden soll.

 Sollte! So muss man es nun sagen, denn nach Auskunft der Vereinsverantwortlichen ist das Projekt auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Der Grund erinnert an Stuttgart 21, denn auch in Gaustadt wurde eine seltene Käferart gefunden...

 Am gestrigen Freitag informierten uns die DJK und der ASV Gaustadt über die jüngste Entwicklung im Bezug auf den Neubau des Kunstrasenfeldes. Und es sind keine guten Nachrichten, die die Verantwortlichen anpfiff.info überbrachten: Vier Vorkommen des Großen Eichenbocks sind bei Vorarbeiten zur Platzsanierung gefunden worden.

 "Ja, und?" wird sich jetzt mancher fragen!? Das Problem: Die bis zu fünf Zentimeter großen Bockkäfer, die in jahrhundertealten Eichen leben, gehören zu den größten Käferarten Europas und... sie sind vom Aussterben bedroht. "Als wir über den Fund informiert worden sind", so Karlheinz Mill von der Kreisgruppe Bamberg des BUND Naturschutz, zu dem wir über die beiden Vereine den Kontakt herstellten und der uns telefonisch Rede und Antwort stand, "haben wir natürlich sofort einen Bau- und Planungsstop erwirkt! Schließlich handelt es sich hier wirklich um eine äußerst seltene Art, die aus diesem Grunde absolut schutzwürdig ist!" Das Ganze erinnert doch stark an den mittlerweile berühmten Juchtenkäfer, der das Bahnprojekt Stuttgart 21 zwar nicht aufhalten, aber doch verzögern und erschweren konnte. Gaustadt 21 also? "Ein wenig haben Sie sogar Recht!", gibt Mill zu. "Allerdings ist der Cerambyx cerdo (so der lateinische Name, d.Red.) noch einmal deutlich seltener als der Juchtenkäfer!

" DJK-Pressewart Michael Pauly zeigt die Stelle, an der bei Vermessungsarbeiten zum Umbau des Kunstrasenspielfeldes im Gaustadter Sportzentrum vier Exemplare des extrem seltenen Cerambyx cerdo gefunden wurden! Sein Gesichtsausdruck spricht Bände... "Einfach unglaublich!", findet Michael Pauly, Pressewart der DJK Teutonia Gaustadt, der mit uns gemeinsam am Fundort des seltenen Käfers war: "Wir haben uns so auf den neuen Platz gefreut. Vor allem natürlich unsere Spieler. Ich hoffe, dass es sich die Neuzugänge jetzt nicht anders überlegen, denn der künftige, neue Kunstrasenplatz war ja etwas, mit dem die beiden Gaustadter Vereine jetzt wuchern konnten." Vereine enttäuscht und vor den Kopf gestoßen Auch Dietfried Fösel, Vorsitzender des ASV Gaustadt, hält den nun angeordneten Bau- und Planungsstop für reichlich übertrieben und wird sich gegen diese Entscheidung zur Wehr setzen. "Das hat allerdings nichts damit zu tun, dass ich etwas gegen Käfer oder Tiere im Allgemeinen habe!", betont er. "Leben und leben lassen, das ist grundsätzlich mein Motto. Und jeder weiß, dass ich sehr tierlieb bin - aber ich bin ehrlich: Katzen sind mir tausendmal lieber als Käfer!" Michael Pauly legt nach: "Sind wir doch ehrlich: Ich habe noch keines dieser Dinger hier gesehen - und ich bin oft hier oben!", will er die Erkenntnisse der zuständigen Behörden doch ein wenig in Zweifel ziehen! Der umtriebige DJK'ler beweist aber auch, dass er seinen Humor noch nicht verloren hat:

 "Als junger Kerl habe ich mal einen Käfer gefahren - und der hat auch die ganze Zeit Probleme gemacht!", lacht Pauly, obwohl ihm sichtlich nicht zum Lachen zumute ist. Ausweisung als Naturschutzgebiet denkbar Eine Umsiedelung, so klärt Karlheinz Mill vom Bund Naturschutz auf, "ist leider nicht möglich. Diese sehr anfälligen Tiere aus ihrer gewohnten Umgebung zu reißen, das könnte ihr Ende bedeuten!", so der Naturschützer, der weiterhin ausführt: "Zumal im geplanten Zeitfenster des Sanierungsbeginns das Paarungsverhalten dieser scheuen Tierchen seinen Höhepunkt erreicht." Auf die Frage, ob man absehen könne, wie lange das Projekt gestoppt bleibt, kann er keine konkrete Antwort geben. "Unter Umständen, aber das klären wir momentan gerade ab, wird das gesamte Gebiet hier als Naturschutzgebiet ausgewiesen - und in einem solchen ist Fußballspielen natürlich gänzlich verboten. Auch wenn das keine schönen Nachrichten für die betroffenen Vereine und Spieler sind: Der Tier- und Naturschutz ist nun einmal das höhere Gut im Vergleich zu Kreisklassen- oder A-Klassen-Fußball! Und, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, den großen Eichenbock hier bei uns in Oberfranken in freier Wildbahn erleben zu dürfen: Da geht einem das Herz auf!" Das Herz ging den Verantwortlichen der beiden Gaustadter Vereine nicht auf, als sie informiert wurden, ihnen fiel eher die Kinnlade herunter. Dietfried Fösel erklärt: "Ich bin nun auch schon seit vielen, vielen Jahren hier beim ASV tätig und habe im Fußball schon so einiges gesehen und gehört - aber so etwas habe ich noch nicht erlebt!" Beide Vereine wollen nun erst einmal abwarten und behalten sich rechtliche Schritte gegen den Baustopp vor! Karlheinz Mill will uns in Kürze ein Foto dieser bedrohten Käferart zusenden, dieses reichen wir nach und halten die Leser natürlich auf dem Laufenden, wie es am und um das Gaustadter Sportzentrum herum weitergeht!

   Stellungnahme von anpfiff-Spielkreisleiter Markus Schütz. Zum Abschluss sei es gestattet, eine kurze, eigene Einschätzung vorzunehmen (spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider): Es ist grundsätzlich richtig, dass der Naturschutz einen hohen Wert besitzt. Allerdings muss der Mensch auch hier und da Eingriffe in die Natur vornehmen, wenn es nicht anders geht. Denn: Wenn die Natur hier mit uns in Frieden leben will, dann muss sie sich gefälligst auch ein wenig anpassen! Ein weiteres Beispiel, das Gaustadt aber in den nächsten Jahrhunderten erst einmal nicht betreffen wird, ist das Steigen des Meeresspiegels. Auch hier wird der Mensch in Kürze, zum Nachteil der Tierwelt, eingreifen müssen. Nämlich durch das Abfischen aller Blauwale! Würde man weltweit alle Blauwale herausfischen, dann hätte das - im übertragenen Sinne - den gleichen Effekt, wie wenn ein dicker Mensch aus der mit Wasser gefüllten Badewanne steigt: Schon sinkt der Wasserspiegel... In diesem Sinne und im Sinne unseres geliebten Fußballsports sind wir der Meinung, dass der Große Eichenbock es in Kauf nehmen muss, wenn sein Lebensraum eingeschränkt wird!

 

 Eichenbock (Cerambyx cerdo) Der Große Eichenbock (Cerambyx cerdo), auch Heldbock, Riesenbock oder Spießbock genannt, ist ein in Deutschland vom Aussterben bedrohter Käfer aus der Familie der Bockkäfer, Unterfamilie Cerambycinae. Die Art zählt zu den größten Käfern Mitteleuropas. Der Große Eichenbock ist in Mittel- und Südeuropa, auch in Südschweden, in Nordafrika und im Kaukasus beheimatet. Der Lauf des Dnepr bildet in etwa die östliche Verbreitungsgrenze. Die Art ist in Mitteleuropa sehr selten geworden und aus weiten Teilen Deutschlands verschwunden. Der schwarzbraune Große Eichenbock wird 24 bis 53 Millimeter lang und zählt damit zu den größten Käfern Mitteleuropas. Die Fühler können beim Männchen das Doppelte der Körperlänge erreichen, die Fühler des Weibchens erreichen in etwa Körperlänge. Die Fühler sind im ersten Glied verdickt, punktiert und runzlig. Kopf, Brust, Beine und Fühler sind schwarz, die schwarzen Flügeldecken werden nach hinten heller bis braunrot. Die Flügeldeckennaht ist zu einem feinen Dorn ausgezogen. An der Unterseite des ersten und zweiten Hinterfußgliedes befindet sich eine Längsrille. Die verbliebenen und potenziellen Habitate des Großen Eichenbocks sind streng zu schützen und müssen durch eine angepasste Pflege und Bewirtschaftung erhalten werden. Dies ist eine der national vorrangig zu verfolgenden Maßnahmen nach der FFH-Richtlinie. ( aus Wikipedia)