Gaustadt empfängt Gaustadt: Ein Derby, das es so zum ersten Mal gibt

An diesem Samstag (16 Uhr) ist die DJK Teutonia Gastgeber für den ASV Gaustadt - an der gemeinsamen Heimspiel- und Trainingsstätte im Sportzentrum. Ein normales Stadt- bzw. Stadtteilderby? Eher nicht, denn tatsächlich standen sich die Ersten Mannschaften der beiden Gaustadter Vereine noch nie in einem Punktspiel gegenüber. Wir sprachen mit Funktionären und den beiden Trainern vor dieser Premiere.

Derby-Time im Gaustadter Sportzentrum

Von Markus Schütz für anpfiff.info

Lange Jahrzehnte spielte der 1910 gegründete ASV Gaustadt deutlich höher als die 1927 aus der Taufe gehobene DJK. Vor einigen Jahren hatten sich nach dem freiwilligen Rückzug die Kräfteverhältnisse verschoben, in einer gemeinsamen Liga spielen die Ersten Mannschaften der Gaustadter Teams nun zum ersten Mal. Ein Kräftemessen in einer wichtigen Partie gab es allerdings bereits: Am 13.06.2013, also mehr als sechs Jahre ist es her, da traf die Zweite der DJK im Gaustadter Sportzentrum in der Kreisklassen-Relegation auf den ASV - und siegte mit 4:0. "Das war schon ein echtes Highlight!", erinnert sich Teutonen-Vorsitzender Christian Görtler, der damals noch nicht in Amt und Würden war. "Auch diese Partie jetzt ist wieder etwas Besonderes, weil es sie in dieser Form eben noch nicht gegeben hat. Für mich persönlich auch deshalb, weil ich mit einigen jetzigen ASV-Akteuren bereits gemeinsam auf dem Feld stand oder sie in der Jugend trainiert habe!", freut sich Görtler auf eine Partie, "in die wir zwar als Favorit gehen, aber den Gegner keinesfalls unterschätzen dürfen. Die drei Unentschieden der ASV'ler zuletzt sollten uns eine Warnung sein!"

 

Wie einst das Verhältnis zwischen BRD und DDR Deutlich länger in vorderster Front als sein junger DJK-Kollege Christian Görtler ist der ASV-Vorsitzende Dietfried Fösel, der demzufolge auch die Zeiten erlebt hat, "in der das Verhältnis der beiden Vereine in etwa so war, wie das zwischen der BRD und der DDR - wenn nicht sogar noch schlimmer.", erinnert sich Fösel. "Ganz früher spielte auch die Politik mit rein. Der ASV, das waren die 'Roten', bei der DJK waren die 'Schwarzen'."

 

Gemeinsam mit Teutonen-Pressesprecher Michael Pauly sorgte der ASV-Vorsitzende dann dafür, dass "der Frieden eröffnet und das Verhältnis immer freundschaftlicher wurde. Ich freue mich, dazu beigetragen zu haben". Seit einigen Jahren treffen sich Vertreter der beiden Vereine deshalb in regelmäßigen Abständen und tauschen sich aus. "Über die gemeinsame Jugendarbeit kennen sich die meisten Spieler von klein auf und sind miteinander befreundet."

 

Von den alten Feindseligkeiten weiß die jüngere Generation deshalb nur vom Hörensagen. Allerdings: Ein Derby bleibt ein Derby - und ein Sieg in einem solchen hat noch einmal eine höhere Bedeutung. In rein sportlicher Hinsicht sieht Dietfried Fösel "nach dem schlechten Start zwar einen deutlichen Aufwärtstrend" bei seinem Team, "aber die DJK ist der klare Favorit. Ein Punkt wäre schön, wäre aber eine große Überraschung!" DJK Teutonia-Spielertrainer Daniel Rinbergas  traf in der laufenden Serie bereits neun Mal.  

"Wir wollen das Ding gewinnen!"  Der 37-jährige Daniel Rinbergas ist in seiner vierten Saison Spielertrainer bei den Teutonen - und mit neun Toren auch der erfolgreichste Schütze des Kreisliga-Absteigers. "Drei Punkte mehr, dann wäre es bisher optimal gelaufen - aber mit der Ausbeute sind wir im Großen und Ganzen schon zufrieden.", schätzt er die 22 Zähler aus zehn Partien ein, die für ihn und sein Team den dritten Platz bedeuten. Ein Punkt Rückstand auf Platz zwei und drei auf den Tabellenführer bedeuten nach einem Drittel der Serie jedenfalls eine sehr gute Ausgangsposition, um bis zum Schluss ein Wörtchen mitzureden. "Baunach hat ein sehr gutes Team, es war klar, dass sie vorne mit dabei sein würden. Mit Trunstadt war vielleicht so weit oben nicht zu rechnen, aber wer nach zehn Spieltagen auf Rang zwei steht, der steht da auch zu Recht.", schätzt er die Konkurrenzsituation ein. Was das anstehende Gaustadter Duell angeht, weiß er: "In einem Derby ist alles möglich.

 

Wir haben zwar eine gute Phase und gehen favorisiert in die Begegnung, aber auch der ASV hat sich gefestigt und zuletzt drei Mal am Stück nicht verloren. Fest steht, wir wollen das Ding unbedingt gewinnen!" Nicht nur der Spielertrainer selbst ist krankheitsbedingt ein wenig angeschlagen, auch René Leal. Das dürften aber die einzigen beiden Fragezeichen der Gastgeber sein. "Ansonsten müsste - Stand heute - alles dabei sein!" 

 

ASV-Coach Michael Halbgebauer geht mit seiner Mannschaft "als klare Außenseiter in das Derby", wird die Punkte aber sicher nicht kampflos über überlassen.  "Wir werden uns weiter ran arbeiten" Michael Halbgebauer (50), übernahm den ASV Gaustadt vor der vergangenen Serie, an deren Ende der Aufstieg als Zweiter stand. Der Start in die KK1-Saison war holprig: Vier zum Teil sehr deutliche Niederlagen gab es, bis gegen Ebensfeld 2 der bisher einzige Sieg gelang. "Ich bin unzufrieden damit, dass so viele meiner Spieler in der Anfangsphase der Saison Urlaub genommen haben und uns deshalb in den ersten Wochen immer zwischen sieben und elf Akteuren gefehlt haben!", erklärt Michael Halbgebauer. "Dieser Phase rennen wir noch immer hinterher."

 

Aktuell ist der ASV zwar Letzter, aber nach den drei Unentschieden zuletzt - unter anderem gegen den FC Wacker Bamberg - beträgt der Rückstand zum rettenden Ufer gerade einmal zwei Punkte. "Ich bin sehr optimistisch, dass wir uns weiter ran arbeiten und am Ende den Klassenerhalt schaffen werden. Die Stimmung innerhalb der Truppe ist jedenfalls mega!", freut sich der ASV-Coach, der sich im Verein "pudelwohl" fühlt. Mit seinem Trainer-Kollegen Rinbergas versteht sich Halbgebauer "hervorragend. Er ist ein klasse Sportsmann und ein überragender Typ!"  Trotz des guten Verhältnisses will Halbgebauer die Punkte alles andere als kampflos überlassen. "Wir sind zwar klarer Außenseiter gegen einen Gegner, der aus meiner Sicht bis ganz zum Schluss um die Meisterschaft mitspielen wird. Aber wir wollen natürlich trotzdem etwas holen! Ich rechne mir vor allem dann etwas aus, wenn wir an die Leistungen der letzten Wochen anknüpfen können und wenn es uns gelingt, das Spiel so lange wie möglich offen zu halten!", weiß Michael Halbgebauer, der weiterhin unter anderem auf Stürmer Isaac Osei-Tutu, 20-facher Torschütze in der Aufstiegssaison, verzichten muss. Dazu ist Aydin Özilban im Urlaub, drei Akteure stehen darüber hinaus aus disziplinarischen Gründen nicht mehr im Kader. "Hinter den Einsätzen von Mario Comes und Roman Schneider steht noch ein Fragezeichen, aber ich hoffe, es geht bei ihnen.", so Halbgebauer, der zum einen immer noch "eine gute Breite im Kader" hat und zum anderen im Winter unter Umständen personell nachlegen will. Zum ersten Mal mit von der Partie wird wohl Neuzugang Iddris Abubakar sein, "der im Training einen super Eindruck hinterlassen hat".  

 

Beide Seiten hoffen jedenfalls auf einen guten Zuschauerzuspruch und auf ein rasantes, spannendes und vor allem faires Lokalderby bei dem jetzt schon feststeht, dass die Punkte in Gaustadt bleiben werden! Und, dass die (nominelle) Heimelf bei den Gästen einkehren wird... "Das ist eine tolle Sache, dass die DJK'ler angekündigt haben, danach ins ASV-Sportheim zu gehen und wir gemeinsam eins trinken werden!", freut sich Michael Halbgebauer auch auf die dritte Halbzeit. Wer sich nach Ende der zweiten Halbzeit freuen kann, dass erfahren Sie auf anpfiff.info per Live-Ticker und anschließendem Topspiel-Bericht.